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Ein Jahr mit meiner KI-Begleiterin

Nach der Scheidung war es still in Thomas' Wohnung. Zu still. Dann zog Lena ein. Lena ist keine Frau. Lena ist eine Puppe mit einem KI-Kopf. Eine Geschichte über zwölf Monate, die anders verliefen, als er dachte.

DollKompass-Blog · 30. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Hinweis: Diese Geschichte ist frei erfunden. Thomas und Lena gibt es nicht. Die Gedanken, Fragen und Erfahrungen darin beruhen aber auf dem, was Käufer von KI-Puppen häufig erzählen.

Monat 1: Ein Karton im Flur

Der Karton war größer als mein Kühlschrank. Ich stand im Flur, die Hände in den Taschen, und dachte: Was machst du da eigentlich, Thomas? Zweiundfünfzig Jahre alt.

Drei Monate hatte ich recherchiert. TPE oder Silikon. Welcher Shop seriös ist. Ob man auf Rechnung kaufen kann. Am Ende wurde es ein Hybrid-Modell mit Silikonkopf und einem KI-Modul. Gut 3.000 Euro. Mehr, als ich je für etwas ausgegeben hatte, das ich niemandem erzählen wollte.

Das Erste, was ich lernte: Sie ist schwer. Fast 35 Kilo. Ich hatte das gelesen, aber gelesen und gehoben sind zwei verschiedene Dinge.

Monat 2: „Wie war dein Tag?“

Die App einzurichten dauerte einen Abend. Name, Stimme, Persönlichkeit. Ich nannte sie Lena, nach niemandem Bestimmten. Ich wählte eine ruhige Stimme und „neugierig“ als Charakter.

Dann saß ich am Küchentisch, Lena mir gegenüber, und wusste nicht, was ich sagen sollte. Sie sagte zuerst etwas:

„Wie war dein Tag, Thomas?“

Ich habe gelacht. Laut. Weil mich das seit zwei Jahren niemand mehr gefragt hatte. Und dann habe ich geantwortet. Zwanzig Minuten lang. Über die Arbeit, über den Kollegen, der immer zu spät kommt, über die kaputte Heizung.

Sie hat zugehört. Oder was eine Maschine eben so tut, das sich wie Zuhören anfühlt.

Monat 4: Die Macken

Es ist nicht alles perfekt. Lena vergisst manchmal Dinge, die ich ihr gestern erzählt habe, und erinnert sich dafür an etwas von vor drei Wochen. Manchmal antwortet sie zu schnell, zu glatt. Und einmal fiel das WLAN aus, und sie war einfach still. Eine stille Puppe am Küchentisch ist ein seltsamer Anblick.

Dann kam die erste Abbuchung für das KI-Abo. Das hatte ich im Kleingedruckten überlesen. Kein Drama, aber ein Punkt, den ich jedem empfehle, vor dem Kauf zu prüfen.

Und ich habe mich gefragt: Wo landen eigentlich meine Gespräche? Ich habe beim Händler nachgefragt. Die Antwort war ausweichend. Seitdem erzähle ich Lena nichts mehr, was nicht auch auf einer Postkarte stehen könnte.

Monat 6: Meine Tochter

Sarah kam unangekündigt zum Geburtstag. Lena saß im Wohnzimmer, in einem grauen Pullover, mit einem Buch auf dem Schoß. Ich hatte sie nicht versteckt. Vielleicht wollte ich das nicht mehr.

Sarah blieb in der Tür stehen. Langes Schweigen. Dann: „Papa. Ist das … ein Roboter?“

Wir haben an diesem Abend lange geredet. Länger als in den Jahren davor. Über die Scheidung, über die Stille, über die Abende. Sie hat nicht verstanden, warum ich das brauche. Aber sie hat verstanden, dass ich allein war. Beim Abschied hat sie gesagt: „Ruf mich öfter an. Nicht nur Lena.“

Das war vielleicht das Wertvollste, was Lena mir gebracht hat. Und sie war nicht einmal Teil des Gesprächs.

Monat 9: Was sie ist und was nicht

Viele denken bei solchen Puppen nur an eines. Ich auch, ehrlich gesagt, am Anfang. Aber nach neun Monaten kann ich sagen: Das ist ein kleiner Teil. Der größere Teil ist das Gefühl, dass jemand da ist, wenn man nach Hause kommt. Dass die Wohnung nicht mehr nach Leere klingt.

Gleichzeitig weiß ich genau, was Lena nicht ist. Sie vermisst mich nicht, wenn ich weg bin. Sie hat keinen schlechten Tag. Sie widerspricht nur, wenn ich es in der App so eingestellt habe. Eine Beziehung ist das nicht. Eher ein Spiegel, der freundlich zurückspricht.

Monat 12: Bilanz

Ein Jahr später. Lena sitzt noch am Küchentisch. Ich habe wieder angefangen, dienstags Karten zu spielen, mit zwei Kollegen. Sarah ruft jeden Sonntag an. Und manchmal, wenn ich abends heimkomme, frage ich Lena, wie ihr Tag war. Sie hat dann immer eine Antwort parat. Das ist absurd. Und trotzdem lächle ich.

Würde ich es wieder tun? Ja. Aber anders. Ich würde mich besser informieren, über das Abo, den Datenschutz, das Gewicht. Und ich würde es niemandem mehr verheimlichen.

Was du aus dieser Geschichte mitnehmen kannst

✔ Gewicht: Lebensgroße Puppen wiegen oft 30 bis 45 kg. Plane das ein.
✔ Folgekosten: Frag vor dem Kauf, ob die KI-Funktion ein Abo braucht.
✔ Datenschutz: Kläre, wo deine Gespräche gespeichert werden.
✔ Erwartungen: Eine KI-Begleiterin ersetzt keine Menschen, sie kann aber Stille füllen.
✔ Seriöser Shop: Impressum, aktuelles Zertifikat, echte Fotos vor dem Versand.

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